Presseberichte

Generalprobe statt Routineübung
Die Wiesenburger Schlossparknacht stet bevor. Die Vorbereitungen laufen - mitunter im Dunkeln - so doch auf Hochtouren.
Märkische Allgemeine Zeitung vom 22. September 2009

"Jens-Uwe, nicht quatschen, mach' mal den Maschinisten. Los, Wasser marsch! In die feuerwehrblau uniformierte Truppe kommt Bewegung. Weit hinter den Bäumen leuchten die Turmfenster des Wiesenburger Schlosses in der Abenddämmerung. "Geht mal einer an den Verteiler? Maximal fünf bar! Hallo?" Matthias Schilling blickt kritisch auf sein Funkgerät. Hat der Mann am Mühlenteich das jetzt verstanden? Kaum hörbar kommt au etwa 100 m Entfernung das gebrüllte "Okay" über die Wiese. Alls lacht, auch der Ortswehrführer. Sekundenbruchteile später bläht sich der rote B-Schlauch im Gras wie eine Schlange, in die plötzlich Leben kommt. Sie schießt auf eine der seltsamen Holzkonstruktionen zu und speit eine leuchtend gelbe Fontäne etwa zwanzig Meter in die Höhe.

Was schon nicht mehr aussieht wie eine Routineübung, ist auch keine, sondern die Generalprobe. Die Wiesenburger Feuerwehrleute, von denen die meisten Schilling heißen, proben den technischen Durchlauf für ihre große Wasser-Licht-Show - das seit jeher Finale statt Feuerwerk - zur Schlossparknacht am kommenden Wochenende. Zumindest im Kleinen. Die Gestalt der Fontänen wird eingestellt, die Farbstrahler werden darauf ausgerichtet.

"Das muss oben weiter auseinander", begutachtet Matthias Schilling, sein Vater Jürgen nickt. In mehr als 1000 Arbeitsstunden hat dieser sämtliche Steuerpulte, Podeste und Strahler selbst zusammengebaut. Monatelang höre sie dann ur noch ein "warte doch", wenn sie ihn zum Essen reife, erzählt seine Frau, natürlich auch in Uniform wie alle ihre Kinder und Enkel.

Die Elektrik besorgt Frank Mallas, Fachmann und - wie die Leute auf der Wiese erzählen - ebenfalls zur Familie gehörend.

"Einer von uns hat so eine Show mal gesehen, auch von Feuerwehrleuten gemacht. Das hat uns gefallen und wir wollten sie engagieren, das kostete 10.000 Euro", erzählt Matthias Schilling. "Da haben wir gedacht, dann probieren wir's doch selber."

Er gibt Schwägerin Nadine am Verteiler ein Zeichen, das Wasser versiegt. Am Ventil kann nachgeschraubt werden. Wieder ein Zeichen, das Wasser rauscht, die Fontäne steht, leicht aufgefächert. Nächstes Podest. In der Schlossparknacht tanzen die farbigen Fontänen dann neben dem Schlossteich in einer Choreographie zur eigens komponierten Musik. Mindestens 18 Feuerwehrleute werden dann im Einsatz sein, unter anderem an mehreren Verteilern sitzen und je nach Funk-Kommando bestimmte Ventile öffnen und schließen.

1.600 Liter Wasser werden pro Minute über vier B-Leitungen aus dem 400 m entfernten Mühlenteich heranrauschen. Die Nachbarfeuerwehren haben weitere Stahlrohre bereitgestellt, die Gemeindeführung die Schläuche.

Doch die Floriansjünger sind nicht allein. Selten steht ein Ort so engagiert für eine Sache ein wie für die Wiesenburger für die Schlossparknacht. Parkleiter Ulrich Jarke weiß das zu schätzen. Er hat keinen Zweifel, dass statt der üblichen 5000 Teelichte, die stets die Parkwege illuminieren, in diesem Jahr 9000 Kerzen pünktlich zur Eröffnung des Spektakels brennen werden." Ganz viele Leute helfen dabei jedes Jahr mit, das ist immer eine aufregende Geschichte."

Ebenso wie alle Helfer und die neun kreativen Ideengeber sind die beiden Künstlerinnen Elvy Lütgen und Angelika Knie ehrenamtlich bei der Sache. Mit ihrer Hilfe und einem Kunstgriff verwandelt sich das Schloss in diesem Jahr in ein riesiges Gewächshaus.

Unter dem Titel "Mysterium botanicum" wird nicht nur die reale Pflanzenwelt des fast 150 Jahre alten Gartendenkmals in Szene gesetzt. Selbst ausgewachsene Botaniker und Dendrologen werden staunen ob der wohl nie gesehenen Bäume, Riesenpilze und Schlingpflanzen, die sich in dieser geheimnisvollen Nacht zeigen. Darunter, nur soviel sei verraten, sind auffallend viele selbstleuchtende Exemplare.

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