Presseberichte
Blühender Traum eines Junggesellen
Wiesenburg ist das bedeutendste Gartendenkmal zwischen Potsdam und Dessau-Wörlitz von Cornelia Höhling
Märkische Oderzeitung vom 09./10. Mai 2009
Die große Liebe blieb Curt Friedrich Ernst von Watzdorf (1839-1981) versagt. Doch seiner Schwärmerei für eine Prinzessin aus dem Hochadel verdankt die Nachwelt einen blühenden Traum von einer Gartenanlage. Der 123 ha große Park seines Schlosses Wiesenburg im Hohen Fläming ist das bedeutendste Gartendenkmal zwischen Sanssouci und dem Dessau-Wörlitzer Gartenreich.
Ab 1863 ließ der begnadete Dendrologe und Landschaftsarchitekt edle und seltene fremde Gehölze anpflanzen. Gestalterisch wirksam bezog er Nadelgehölze und Rhododendren in den Waldbestand mit bis zu 300 Jahre alten Eichen und Buchen ein. Noch heute faszinieren den Besucher die Sichtachsen etwa zur etwas überdimensionierten Marienkirche des kleinen Ortes. Herzstück des Parks ist das Parterre am Schloss, das mit seinen Teppichbeeten und kugelförmig geschnittenen Fichten in dieser Größe Seltenheitswert hat. Watzdorf, aus niederem Adel stammend, schied als Junggeselle durch Suizid aus dem Leben. In dem unter freiem Himmel am Originalschauplatz inszenierten Theaterstück "Die Legende Watzdorf" lebt er allerdings weiter und erzählt seine Lebens- und Liebesgeschichte. Es heißt, er habe den Park nicht für sich angelegt, sondern für seine Liebe.
Der Park war seine Liebe. Während dieser Besuchern offen steht, ist das von Watzdorf umgestaltete Schlossensemble nur zum Teil zugänglich. Die Mieter der 1998 im Schloss geschaffenen exklusiven Wohnungen, Ateliers und Büros verstehen sich als Art Wohngemeinschaft, wenn es um die Nutzung von Rittersaal oder Sauna geht. Dessen frühester Vorgänger war eine als Grenzfestung im Jahre 1161 erbaute Burg. Aus dem 16. Jahrhundert blieben das Renaissancetorhaus und das Männekentor erhalten. Das Torhaus beherbergt Touristeninformation und Ausstellungen. In der alten Remise finden Besucher heute ein Restaurant, und der in die Schlossanlage einbezogene 48 Meter hohe Bergfried kann bestiegen werden.
Im Mittelalter entstanden im Fläming neben Wiesenburg noch zwei andere Burgen als eine Art Festungsgürtel. Touristiker vermarkten die Region deshalb als Drei-Burgen-Land. Der ausgeschilderte Kunstwanderweg mit zahlreichen Kunstwerken unter anderem mit Sinnsprüchen zur Liebe führt von Wiesenburg über rund 17 km zur Burg Eisenhardt in Belzig. Dort gilt es den "Butterturm" zu besteigen. Der 33 m hohe Bergfried stammt aus dem 12. Jahrhundert.