Presseberichte
Tropfende Mondfrüchte
Trotz Regen ein Zauberhafter Abend: das Wiesenburger Lichterfest
Märkische Allgemeine Zeitung vom 1. Oktober 2007
Nein, gewonnen hat er nicht, der Regen. So leicht lassen sich die Besucher der Wiesenburger Schlossparknacht den lang ersehnten Abend nicht verderben. Menschen wie Reinhart Fischer haben unermüdlich gegen die Regenmassen, die auf den Park einprasselten, gekämpft. Von zehn Uhr morgens bis nachmittags um vier hat der 82-jährige Wasser von der Plane auf dem Tennisplatz geschöpft. Dort sollte nämlich ein schaurig-schönes Match mit leuchtenden Spielern und Bällen stattfinden. Aber schließlich funktionierte die Schwarzlichtlampe nicht und der matschige Platz war zu rutschig: Die Spieler Martina Beckmann, Sohn Mathias und Ralf Lange gaben auf.
Dort, wo Regen und Wind die Lichter am Wegesrand erstickt haben, gibt es für die Ohren viel zu entdecken: Leise Violinenklänge fliegen herüber, ein spitzer Schrei, auf den ein Kichern erfolgt, knisterndes Schilf und ein ferne Gitarre schleichen ans Ohr. Tropfnass stapfen die Besucher durch Schlammpisten und Pfützen, doch die Laune lassen sie sich davon noch lange nicht verderben: Überall blitzen unter den Regenschirmen fröhliche Gesichter im Lichterschein auf. Den zehnjährigen Sören Mallas scheint der Regen auch nicht allzu sehr zu stören. Vielleicht auch, weil der leuchtende Schachspieler bisher ungeschlagen ist.
Gisela Fäder, die gemeinsam mit Edeltraut Zehnsdorf die Kasse an der Parkstraße betreut, trotz dem Regen mit einer Skihose. Gut gelaunt begrüßen die beiden Damen die Besucher und weisen sie auf Attraktionen hin. "Vorhin habe ich Kindern von den sprechenden Bäumen erzählt - die haben vielleicht Augen gemacht", schmunzelt sie. Und tatsächlich: Zwei österreichische Schwarzkiefern wundern sich lautstark über die merkwürdigen "Langhax'n", die nachts den Park bevölkern. Singen können sie auch: "Wir san so schee, wir san zwoa" und "Ka Hund macht uns die Rinde wund" singen sie in melodischem österreichischen Akzent. Ganze sieben Stunden lang sind die Österreicher Wolfgang Kuttler und Heidi Schedlberger angereist und stehen jetzt mit Gitarre und Blätterkränzen auf dem Kopf hinter den kräftigen Baumstämmen.
Währenddessen laufen Helfer wie Dietmar Krüger unermüdlich von einem Teelicht zum nächsten. Eine Sisyphusarbeit, doch "einer muss ja helfen", sagt der fleißige Mann und hebt ein erloschenes Licht auf. Wenig weiter schleichen Nachtwandler um eine Mondscheineiche: Blass-bläuliche Papierlampions hängen wie reife Früchte an dem imposanten Baum. Die Reispapierlampen, in knisternde Mülltüten gehüllt, wanken leicht im Wind. Einige Monde liegen wie Fallobst um den Stamm des Baumes. Die Wasser-Licht-Show der Feuerwehrmänner wirkt schließlich wie ein trotziger Triumph über die Tropfen von oben: Sie schießen einfach zurück, in den strahlendsten Farben, mit dramatischer Musik unterlegt. Und da passiert es: Die Regentropfen glitzern im Scheinwerferlicht.