Presseberichte
"Sensationeller Fund"
BRAWO vom 20. März 2005
Der schlossnahe Bereich des Parks ist zwar nicht detailgetreu, aber immerhin ausreichend durch viele alte Postkarten dokumentiert. Sie geben einen recht genauen Überblick über die Veränderungen in der 140-jährigen Geschichte des Parks. Viel schwieriger ist da die Quellensituation für den über 100 Hektar großen Waldparkteil. Fotos sind mehr als rar, der älteste Plan ist gerade mal 36 Jahre alt. Mithin sind die Gestaltungsabsichten des Parkerbauers Curt Friedrich Ernst von Watzdorf im Wesentlichen nur an Altbäumen zu erkennen. Zeitzeugen, die den Park noch aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg kennen, konnten bereits berichten, über Detailwissen zum Waldpark verfügen aber nur Gärtnermeister Werner Brehmer, der von den 1950er Jahren an im Park für die Baumschule Wiesenburg auf der Suche nach Vermehrungsmaterial war und deshalb viele Gehölze und deren Standort im Gedächtnis hat.
Als erster Schritt wurde im August vergangenen Jahres eine genaue Bestandserfassung dieses Areals durchgeführt. Zwei Lehrlinge des Vermesserbüros Kallenbach schufen mit ihrer "Gesellenarbeit" ein einzigartiges Dokument des heutigen Parkzustandes. Insgesamt wurden mehr als 2000 einzelne Punkte, viele hundert Bäume und selbst Baumstubben örtlich lokalisiert.
Kann man daraus die ursprüngliche Gestaltung ablesen? Sicher nur zum Teil. Glücklicherweise fanden sich im Landvermessungsamt mehrere Luftbilder von denen jene der Überfliegung 1945 und 1953 die Bedeutendsten Fund darstellen. Wenn man den Plan von heute mit dem Luftbild von damals vergleicht, treten erstaunliche, nicht zu vermutende Unterschiede auf.
Plötzlich werden heute noch auffindbare Gehölzstrukturen verständlich, die auf Grund der jahrzehntelang fehlenden Pflege verwachsen sind. Neben der großen Sichtachse vom Schloss zu den Bahngleisen existierte 1945 etwa auf Höhe des heutigen Klärwerks eine Sichtachse gen Westen über den so genannten Reitplatz noch über die heutige Bundesstraße hinaus, die an Länge und Breite der großen Sichtachse in nichts nachstand. Alte, mächtige Douglasien sind noch heute am Reitplatz zu finden. Sie machten damals den südlichen Rand der Sichtachse aus. Heute ist die Waldkante 20 bis 30 Meter nach Norden vorgerückt, vor allem Birken setzten sich hier durch. Und quer zur Sichtachse wurde in den 1940er Jahren in Reih und Glied ein Quartier Kastanien gesetzt, die heute die Sichtachse unüberwindbar verstellen.
Ein anderes Beispiel: wenn man vom Forsthaus den Rhododendronweg Richtung Bahnhof spaziert, taucht man sehr bald in dichte Buchenbestände, gelangt zum Erbbegäbnis, dessen Gestaltung auch eher kümmerlich ist nach den Verwüstungen der Nachkriegszeit, und gelangt erst nach einigen hundert Metern wieder ans helle Tageslicht, dort, wo sich einst die oben genannte Sichtachse befand. Dazwischen wähnt man sich eher in einem sehr schönen Wald als in einer Parkanlage. Etwa auf halbem Weg ist der einstige Blick in Richtung Rahneberge schlichtweg zugewuchert. Des Gestalters Spiel mit dem Besucher, den Blick mit Gehölzen zu verstellen, um wenig später um so mehr Freude zu erzielen, wenn der Blick wieder frei ist und die Sonne an der Nase kitzelt, ist ausgespielt. Die alten Luftbilder zeigen die ursprünglich vorgesehene Gestaltung. Inzwischen finden sich auch Zeitzeugen, die dies bestätigen können. So wird dem unvollständigen Bild des Parks ein weiteres Puzzelstück hinzugefügt.
Sicher ist auch eine Menge unwiederbringlich verloren. Die Schule, der Sportplatz und das Wohngebiet fanden ihren Platz am Rande der Ortschaft, weil dort ursprünglich der zum Park gehörende Feldgarten angelegt war. Hier wurde vor allem Obst und Gemüse für die Schlossbewohner produziert. Zwei Apfelbäume im Garten der Schule sind die letzten Relikte. So ging mit dem Sportplatzbau auch ein barocker Wegestern verloren, der auf den besagten Luftbildern andeutungsweise zu erkennen ist.
Vor allem wird mit dem Luftbildfund aber eines nur allzu deutlich: der Waldpark war in seiner gestalterischen Grundkonzeption durch verschiedene Strukturen, Sichtachsen, Solitärgehölze, Wegesterne, Lichtungen und andere Maßnahmen weit mehr als eine normale Waldfläche. Hinzu kamen die umfangreichen Rhododendronpflanzungen und andere dendrologische Besonderheiten, die hier immer wieder - wie zufällig eingestreut - an Wegen und Waldrändern zu entdecken waren. Da heute davon nur noch Relikte zu erleben sind, gibt es dank der Luftbilder endlich klarere Zielvorstellungen - für die derzeit in Arbeit befindliche Diplomarbeit sowie für die künftige Parkpflege.